Auf wenigen Stadtvierteln vereint Taipei alles, was Ostasien so besonders macht: Tempel aus dem 18. Jahrhundert Seite an Seite mit futuristischen Wolkenkratzern, Nachtmärkte, die jeden Abend zum Leben erwachen, und Natur, die du in weniger als einer Stunde mit der U-Bahn erreichst. Ob du zwei Tage oder eine ganze Woche hast, hier sind die Orte und Aktivitäten, die sich wirklich lohnen.

Taipei 101, über allem
Sechs Jahre lang, von 2004 bis 2010, war der Taipei 101 das höchste Gebäude der Welt. Seine 508 Meter, entworfen in Anlehnung an aufstrebende Bambushalme, überragen noch heute jede Skyline der Stadt. Der Druckaufzug schießt dich in 37 Sekunden auf das 89. Stockwerk: Der 360-Grad-Blick auf Taipei und die umliegenden Berge ist einmalig, tagsüber wie in der Blauen Stunde.
Das Gebäude beherbergt außerdem Geschäfte und Restaurants, darunter eine Filiale von Din Tai Fung, bekannt für seine Dumplings (Xiaolongbao). Praktisch, um Besichtigung und Essen auf einen Schwung zu verbinden, ohne die halbe Stadt nochmal zu durchqueren.
Der Longshan-Tempel: wo Buddhismus auf Taoismus trifft
Der 1738 gegründete Longshan-Tempel gehört zu den bedeutendsten Heiligtümern Taipehs. Er ist der Göttin Guanyin (Göttin der Barmherzigkeit) geweiht und beherbergt zugleich taoistische Gottheiten, was das synkretistische Wesen des taiwanischen Geisteslebens auf den Punkt bringt. Drachensäulen, bunt glasierte Dächer und frische Blumenopfer, die jeden Morgen dargebracht werden, machen ihn zu einem lebendigen Ort, weit entfernt von einer musealen Kulisse.
Täglich finden drei Gesangszeremonien statt, um 6, 8 und 15:45 Uhr. Wer zur Öffnung kommt und den Gläubigen beim Gebet zuschaut, erlebt etwas, das kein Gruppenrundgang bieten kann.

Wenn es dunkel wird, verwandeln goldene Laternen an den Fassaden die Atmosphäre des Ortes vollständig.

Nachtmärkte: lebendige Institution Taipehs
Die Nachtmärkte sind keine Touristenattraktion, die irgendwann erfunden wurde: Sie sind seit Generationen der Treffpunkt des alltäglichen Lebens für die Taiwaner. Frittierte Austern, gegrillter Tintenfisch, geschmortes Rindfleisch mit Gewürzen, Bubble Tea… Hinter jedem Stand steckt oft ein Familienbetrieb, der von Generation zu Generation weitergegeben wird.
Shilin: der größte Nachtmarkt Taipehs
Der Shilin-Nachtmarkt ist der meistbesuchte in ganz Taiwan. Sein vollständig renoviertes Untergeschoss hat im April 2025 wiedereröffnet und bietet Dutzende Street-Food-Stände in einem klimatisierten Bereich, was ihn selbst im Hochsommer zu einer guten Wahl macht.
Raohe: der Liebling der Einheimischen
Weniger von Touristenmassen besucht, ist der Raohe-Nachtmarkt für die Qualität seiner Straßenküche bekannt. Ein buddhistischer Tempel rahmt den Eingang ein und verleiht ihm eine Atmosphäre, die Shilin so nicht hat.
Das Chiang-Kai-shek-Gedenkmal und der Freiheitsplatz
Dieser weitläufige Architekturkomplex im Herzen Taipehs beherbergt eine monumentale Statue des ehemaligen Präsidenten der Republik China, ein Museum über seine Rolle in der Geschichte Taiwans sowie zwei Nationaltheater mit goldenen Dächern, die den großen Vorplatz einrahmen. Die Wachablösung, präzise und lautlos, zieht Besucher aus aller Welt an.

Die Thermalquellen von Beitou
Nur 30 U-Bahn-Minuten vom Zentrum entfernt liegt der Stadtteil Beitou mit seinen schwefelhaltigen Thermalquellen. Die Temperaturen variieren je nach Anlage: von 37 bis 40 °C in den öffentlich zugänglichen Bädern bis zu über 80 °C im geothermischen Höllental, das du von der Terrasse aus bewundern kannst. Das Thermalmuseum von Xinbeitou, untergebracht in einem ehemaligen japanischen Badehaus, zeichnet die Geschichte dieser Mineralquellen seit der Kolonialzeit nach.

Elephant Mountain: der schönste Aussichtspunkt über Taipei
Der Wanderweg am Xiangshan (Elephant Mountain) führt dich in 20 bis 30 Minuten ab der gleichnamigen U-Bahn-Station zum meistfotografierten Aussichtspunkt der Stadt: Taipei 101, eingerahmt von bewaldeten Hügeln. Der Pfad überwindet knapp 200 Höhenmeter auf 2,2 Kilometern, mit in den Fels gemeißelten Treppenstufen. Schwierigkeitsgrad moderat, festes Schuhwerk wird empfohlen.
Die beste Zeit für den Aufstieg ist am späten Nachmittag, kurz vor Sonnenuntergang, wenn sich der Turm nach und nach in Licht hüllt.

Das Nationalpalastmuseum: dreitausend Jahre chinesische Kunst
Das Nationalpalastmuseum beherbergt eine der größten Sammlungen chinesischer Kunst und Kulturartefakte der Welt: rund 700.000 Stücke insgesamt, von denen im Rotationsprinzip stets nur 3.000 bis 5.000 gleichzeitig ausgestellt werden. Die drei Stücke, nach denen jeder Besucher sucht: der Jadekohl (eine filigrane Skulptur aus einem einzigen Stein), der fleischförmige Stein (ein Achatstück, das geschmortes Schweinefleisch täuschend echt imitiert) und die Bronzeglocke Mao Gong Ding. Die Ausstellungen wechseln regelmäßig: Schau vor deinem Besuch auf der offiziellen Website nach, was gerade gezeigt wird.

Ximending: Taipehs angesagtes Szeneviertel
Ximending ist Taipehs Antwort auf Tokios Harajuku oder Seouls Hongdae: eine Fußgängerzone für Mode, Subkulturen und süße Straßenleckereien. Die Gassen sind bis spät in die Nacht belebt, zwischen Vintage-Läden, Themen-Cafés und Straßenkünstlern, die spontan auf den gepflasterten Plätzen auftreten.

Taipei ist das perfekte Sprungbrett, um Taiwan als Ganzes zu entdecken. Wer tiefer in die Insel eintauchen möchte, findet in unserem Guide mit 20 unvergesslichen Aktivitäten durch ganz Taiwan jede Menge Inspiration. Wer große asiatische Metropolen liebt, wird das gleiche Wechselspiel aus Tradition und Moderne in Tokio und Seoul wiederfinden, jede mit ihrem ganz eigenen Charakter.
FAQ
Wie viele Tage brauche ich für Taipei?
Drei bis vier Tage reichen, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu sehen: Taipei 101, Longshan-Tempel, ein oder zwei Nachtmärkte, den Elephant Mountain und einen halben Tag in Beitou. Mit einer Woche bleibt dir Zeit, die Stadtteile zu Fuß zu erkunden und einen Ausflug aus der Stadt zu unternehmen.
Wann ist die beste Reisezeit für Taipei?
Der Herbst (Oktober bis November) ist die angenehmste Jahreszeit, mit milden Temperaturen und weniger Niederschlag. Auch der Frühling (März bis Mai) ist empfehlenswert. Der Sommer (Juni bis September) fällt in die Taifunsaison mit teils heftigen Regenfällen.
Wie kommt man in Taipei am besten voran?
Das U-Bahn-Netz (MRT) ist effizient, sauber und unkompliziert zu benutzen: Die Beschilderung ist auf Englisch. Eine aufladbare Fahrkarte (EasyCard) erleichtert die Nutzung von U-Bahn, Bus und bestimmten lokalen Diensten erheblich.
Haben die Nachtmärkte in Taipei täglich geöffnet?
Die wichtigsten Märkte, darunter Shilin und Raohe, öffnen in der Regel jeden Abend. Den größten Andrang erlebst du zwischen 19 und 22 Uhr.
Ist Taipei für Alleinreisende geeignet?
Taipei wird regelmäßig zu den zugänglichsten Reisezielen Asiens gezählt: zuverlässiges Nahverkehrsnetz, englische Beschilderung und eine Bevölkerung, die für ihre Herzlichkeit gegenüber Reisenden bekannt ist.





