Für einen Mittelmeersommer stechen drei Reiseziele in Südeuropa durch ihre Erreichbarkeit und Vielseitigkeit heraus: Italien mit seinen Kunststädten und verborgenen Inseln; Spanien zwischen Festivals und gegensätzlichen Landschaften; Portugal mit seinen Kalksteinklippen und bohemienhaften Städten. Ein Überblick zum Auswählen, oder um sich mehrere Sommer lang vorzunehmen.
Meine Europareise absichernItalien: tausend Gesichter für einen Sommer
Antike Ruinen, venezianische Kanäle, Vulkaninseln, wilde Strände Sardiniens: Italien vereint eine Vielfalt, mit der kaum ein anderes Land in Europa mithalten kann. Es eignet sich ebenso gut für einen einwöchigen Städtetrip wie für einen monatelangen Roadtrip durch die südlichen Inseln.
Rom, wo die Geschichte mit dir spazieren geht
Keine ehrliche Liste kommt an Rom vorbei. Die ewige Stadt ist kein Museum, sie lebt rund um ihre Ruinen. Das Kolosseum, das Forum Romanum, das Viertel Trastevere mit seinen abends belebten Trattorias geben den Takt vor, langsam und souverän.

Wer durch Rom streift, kommt am Vatikan nicht vorbei: Die Petersbasilika und die Vatikanischen Museen verdienen mindestens einen halben Tag. Im Sommer lohnt es sich, Tickets vorab zu buchen, um Schlangen zu vermeiden, die sich unter der Sonne rasch auftürmen.
Venedig: zwischen Kanälen und Lagune
Für eine Reise zwischen Land und Meer ist Venedig gesetzt. Seine bunten Viertel, gotischen Brücken und die in grünem Wasser gespiegelten Paläste machen jeden Spaziergang zu einem Postkartenmotiv. Jenseits der Stadt lohnen die Laguneninseln: Burano mit seinen bemalten Häusern, Murano mit seinen Glasbläsern.

Brich früh morgens auf, um der Hitze und dem Gedränge zu entgehen, das sich ab 10 Uhr in den engsten Gassen aufstaut.
Florenz, die Hauptstadt der Renaissance
Florenz ist die Stadt der Renaissance, und das spürt man an jeder Straßenecke. Der Dom, die Uffizien, die Ponte Vecchio, dazu die mediceischen Villen aus dem 15. Jahrhundert, als die Medici die Toskana zum Mittelpunkt der Welt machten.

Florenz ist auch ein hervorragender Ausgangspunkt für die Toskana: Siena, San Gimignano und die Chianti-Hügel sind in weniger als einer Autostunde erreichbar.
Sardinien: wilde Strände und zerklüftete Küsten
Wer diesen Sommer einen Strand sucht, der mit der Karibik mithalten kann, ohne den Atlantik überqueren zu müssen, wird in Sardinien fündig. Die Costa Smeralda, das türkisblaue Wasser der Maddalena-Inseln und die langen Sandstrände im Süden der Insel bieten Kulissen, die kaum ein anderes europäisches Reiseziel übertrifft.

Cagliari, die Hauptstadt, verdient einen ganzen Tag: Das Castello-Viertel thront auf mittelalterlichen Stadtmauern hoch über der Bucht.
Ischia und Capri: die verborgenen Inseln im Golf von Neapel
Der Golf von Neapel birgt zwei Juwelen, die eilige Reisende oft übersehen. Ischia, die weniger bekannte der beiden, ist ein Thermalparadies: Die in Vulkangestein gehöhlten Naturbäder (wie Cava Scura) bieten ein Ambiente, mit dem kaum eine mediterrane Insel mithalten kann. Wanderfreunde besteigen den Monte Epomeo (788 m) für einen Blick auf Capri und die gesamte Bucht.

Die mit gestreiften Liegen bestückten Felsstrände, typisch für die italienischen Lidi, gehören zum unverwechselbaren Badeflair an der Mittelmeerküste.

Capri, die bekanntere Nachbarinsel, vereint alles, was das Mittelmeer zu bieten hat: versteckte Buchten, abends belebte Gassen, Bootsausflüge ab Marina Grande zur Blauen Grotte und zu den Faraglioni. Zum Mittagessen: Insalata Caprese und Ravioli Capresi, zwei Spezialitäten, deren Rezepte sich seit Jahrhunderten nicht verändert haben.

Spanien: zwischen Festen, Kultur und extremen Landschaften
Spanien ist ein ganzer Kontinent auf engstem Raum. Vom grünen Norden Galiciens bis zu den weißen Stränden Andalusiens, vom katalanischen Surrealismus zu den Weinbergen der Rioja, jede Region hat ihre eigene Atmosphäre, die oft nichts mit der Nachbarregion gemeinsam hat. Genau das macht Spanien so schwer zu fassen und so faszinierend.
Die Rioja: Weinstraße und legendäre Bodegas
Weinliebhaber finden in der Rioja ein Ziel für sich. Die Bodegas der Region bieten das ganze Jahr über Besichtigungen und Verkostungen an. Zu den bekanntesten gehört die „Ciudad del Vino“, deren Bodega auf das Jahr 1858 zurückgeht: Ihr futuristisch geschwungenes Gebäude bildet einen frappierenden Kontrast zu den umliegenden Weinbergreihen und steht sinnbildlich für die architektonische Kühnheit der iberischen Halbinsel.

Figueres: Surrealismus im Herzen Kataloniens
Figueres ist Salvador Dalís Geburtsstadt, und das Teatre-Museu Dalí zählt zu den originellsten Museen Europas: von Dalí selbst als Gesamtkunstwerk konzipiert, in dem Architektur, Inszenierung und Malerei nahtlos ineinander übergehen.

Die Stadt lohnt auch einen Bummel abseits des Museums: die gotische Kirche Sant Pere, die mittelalterliche Festung Sant Ferran und die belebten Gassen der Altstadt machen Figueres zu einem idealen Tagesausflug von Barcelona aus.
Ibiza: weit mehr als eine Partyinsel
Ibizas Ruf als Welthauptstadt der elektronischen Musik ist verdient. Superclubs wie Amnesia, Ushuaïa oder Pacha ziehen von Mai bis Oktober die größten Namen der Szene an. Doch die Insel hat auch ruhige Strände, versteckte Calas und weiß getünchte Dörfer zu bieten, die mit dem Clubbetrieb nichts gemein haben.

In Sant Antoni de Portmany ist das Kumharas bekannt für seine Sonnenuntergänge mit Meerblick in bohemienhafter Atmosphäre, weit weg vom Superclub-Rummel.
Galicien und seine natürlichen Kathedralen
Galicien, im Nordwesten Spaniens, ist eine grüne, feuchte Region, die echte Abwechslung bietet. Seine Atlantikküste zählt zu den spektakulärsten der Halbinsel. Der Playa de las Catedrales ist das meistfotografierte Motiv der Region: seine natürlichen Felsenbögen, von Wellen geformt, erinnern an die Strebebögen einer gotischen Kathedrale. Der Besuch findet bei Ebbe statt, also vorher die Gezeitenzeiten prüfen.

Santiago de Compostela, Endpunkt des Jakobsweges, liegt weniger als zwei Autostunden entfernt. Seine goldene Steinkathedrale mit ihren imposanten Türmen, die von den Anhöhen der Stadt weithin sichtbar sind, hat etwas Zeitloses, ob man Pilger oder einfacher Besucher ist.

Barcelona: Architektur als Lebensart
Barcelona hat Architektur zu einem Tourismusargument für sich gemacht. Die Sagrada Família ist noch nicht fertiggestellt, und genau das macht sie so faszinierend. Der Park Güell mit seinen bunten Mosaiken und dem Blick aufs Meer ist einer der meistfotografierten öffentlichen Plätze des Kontinents.

Im Sommer ist Barcelona auch eine Festivalstadt: Das Sónar (elektronische Musik und digitale Künste, in der Regel im Juni auf der Fira Montjuïc) und das Cruïlla (interdisziplinäres Festival, in der Regel im Juli im Parc del Fòrum) verwandeln die Stadt in eine riesige Open-Air-Bühne.
Die Pyrenäen: der Sommerhitze entfliehen
Wenn die Küstenstädte im Juli und August in der Hitze schmachten, bieten die spanischen Pyrenäen willkommene Abkühlung. Der Nationalpark Ordesa und Monte Perdido, UNESCO-Welterbe, lädt zu Wanderungen durch unberührte Alpenlandschaften ein, mit Bergseen zwischen Felswänden und Nadelwäldern.

Wer Spanien aus Frankreich ohne Flug erreichen möchte, findet in unserem Ratgeber mit dem Zug durch Europa heraus, wie die Bahn das Reiseerlebnis verändert.
Portugal: die dritte Dimension des Mittelmeersommers
Weniger überlaufen als seine Nachbarn bietet Portugal eine einzigartige Mischung: mit Azulejos gekachelte Fassaden, wilde Atlantikküsten, die Algarve mit ihren Kalksteinklippen und bohemienhafte Städte, in denen das Lebenstempo auf natürliche Weise nachlässt.
Lissabon: die Kunst des Lebens zwischen Hügeln und dem Tejo
Lissabon erkundet man zu Fuß, in aller Ruhe, denn die Hügel wollen erklommen werden und die Miradouros (Aussichtsterrassen) verlangen eine Pause. Das Viertel Alfama mit seinen gepflasterten Gassen und azulejo-bedeckten Fassaden hat seinen Dorfcharakter bewahrt, den der Massentourismus nicht ausgelöscht hat.

Das Hieronymuskloster (Jerónimos) und der Turm von Belém, beide UNESCO-Welterbe, bezeugen die Pracht des portugiesischen Zeitalters der großen Entdeckungen. Und der Pastel de Nata, die Cremetörtchen in knuspriger Blätterteigschale, isst man am besten frisch aus dem Ofen auf einer Terrasse.
Die Algarve: goldene Klippen und verborgene Höhlen
Für den Strandurlaub zählt die Algarve zu den spektakulärsten Küsten Europas. Die Kalksteinklippen von Ponta de Piedade ragen über smaragdgrüne Buchten. Die Praia de Marinha wird regelmäßig unter den schönsten Stränden des Kontinents gelistet.

Das Highlight der Region: die Erkundung der Meereshöhlen per Boot oder Kajak. Die Benagil Cave ist eine in die Kalksteinklippe gehöhlte Grotte mit einer kreisrunden Öffnung im Gewölbe, durch die das Tageslicht fällt, in der Realität noch beeindruckender als auf all den Fotos.

Wer den Aufenthalt vertiefen oder weitere europäische Ziele erkunden möchte, findet in unserem Ratgeber Portugal, Kroatien und Norwegen weitere Ideen. Wer vom östlichen Mittelmeer angezogen wird, entdeckt unsere Auswahl Griechenland, Zypern und Island.
FAQ
Was ist das beste Reiseziel in Südeuropa für den Sommer?
Eine universelle Antwort gibt es nicht, das hängt davon ab, was du suchst. Italien ist ideal, wenn du Geschichte, Kulinarik und Strände verbinden willst. Spanien glänzt durch die Vielfalt seiner Regionen und die Intensität seines Kultur- und Festivallebens. Portugal überrascht mit seinen Atlantikküsten, bohemienhaften Städten und einer entspannteren Atmosphäre als seine Nachbarn.
Welches Reiseziel in Südeuropa ist im Sommer am günstigsten?
Portugal ist in der Regel erschwinglicher als Italien oder Spanien, was Unterkunft und Verpflegung angeht, besonders wenn du das Landesinnere erkundest (Alentejo, Douro-Tal) statt dem touristischen Hochbetrieb in der Algarve im Juli und August.
Brauche ich eine Reiseversicherung für Europa im Sommer?
Die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) deckt Behandlungen in öffentlichen Einrichtungen der EU-Länder ab. Sie deckt weder die medizinische Rückführung noch Privatkliniken, die in Touristengegenden häufig sind, noch Reiseabbrüche ab. Eine umfassende Reiseversicherung springt dort ein, wo die EHIC aufhört.
Wann sollte man nach Südeuropa reisen, um dem Massentourismus zu entgehen?
Juni (vor dem 20.) und September sind die angenehmsten Monate: hohe, aber erträgliche Temperaturen und deutlich weniger Andrang als im Juli und August. Juli und August sind bei Familien mit schulpflichtigen Kindern am beliebtesten und an Hauptsehenswürdigkeiten wie dem Kolosseum oder dem Park Güell am stärksten frequentiert.
Kann man Italien, Spanien und Portugal in einer einzigen Reise bereisen?
Das ist mit mindestens drei Wochen möglich, bedeutet aber viel Transport. Besser ist es, ein oder zwei Länder zu wählen und diese gründlich zu erkunden, anstatt von einer Hauptstadt zur nächsten zu hetzen. Die anderen Ziele warten schon auf den nächsten Sommer.





