New Orleans vereint auf wenigen Quadratkilometern das French Quarter mit seinen kreolischen Balkonen, die Jazzszene der Frenchmen Street, von Alligatoren bevölkerte Bayous und eine kreolisch-cajunische Küche, die weltweit einzigartig ist. Ob du aus Europa anreist oder deinen Aufenthalt mit einem Besuch in Montréal verbindest, der anderen großen frankophonen Stadt Amerikas: Vier Tage reichen, um das Wesentliche zu erleben, eine Woche lässt dich alles in Ruhe auf dich wirken.
Unter den großen Reisezielen, die Geschichte und lebendige Kultur vereinen, nimmt New Orleans eine einzigartige Stellung ein: Die Stadt zählt zu den Must-sees in Nordamerika.
Das French Quarter: der unverzichtbare Ausgangspunkt
Das „Vieux Carré“, wie es die Einheimischen nennen, ist das historische Herzstück der Stadt. Sein Schachbrettgrundriss, die Backsteinfassaden und die üppig bepflanzten schmiedeeisernen Balkone gehen auf die spanische Kolonial- und kreolische Epoche zurück. Hier beginnt alles.
Der Jackson Square ist der zentrale Platz, flankiert von der Saint-Louis-Kathedrale und dem Cabildo. Morgens richten sich Straßenkünstler und Musiker dort frei ein. Gleich nebenan serviert das Café du Monde seine mit Puderzucker bestäubten Beignets und den Café au lait, eine Institution, die kaum jemand bereut.
Die Bourbon Street ist bekannt für Bars und Shows; die Royal Street und die Decatur Street dagegen bieten eine ruhigere Atmosphäre: Kunstgalerien, Läden mit lokalen Produkten und schattige Terrassen am Mississippi.

Frenchmen Street: wo Jazz wirklich lebt
Fünf Gehminuten vom French Quarter entfernt, im Faubourg Marigny, ist die Frenchmen Street die erste Adresse für einen Musikabend unter Einheimischen. Jazz, Brass Band, Funk und Blues wechseln sich hier jeden Abend in Clubs ab, die man ohne Reservierung betritt: The Spotted Cat, d.b.a., Blue Nile, Snug Harbor.
Die Atmosphäre unterscheidet sich deutlich von der Bourbon Street: Hier spielen die Künstler ihr eigenes Repertoire, das Publikum mischt Touristen und Anwohner, und die Musikszene spiegelt die wahre Seele der Stadt wider. Internationale Bekanntheit erlangte die Straße vor allem durch die HBO-Serie Tremé.

Mississippi-Kreuzfahrt an Bord des Steamboat Natchez
Der Steamboat Natchez ist der letzte authentische Raddampfer im regulären Betrieb auf dem Mississippi. Er legt am Toulouse Street Wharf, nur wenige Schritte vom Jackson Square entfernt, zu zweistündigen Kreuzfahrten ab. Die Tagesfahrt ist panoramisch und familienfreundlich; die Abendfahrt beinhaltet ein kreolisches Buffet-Dinner und ein Live-Jazzkonzert.
An Bord ist der Dampfmaschinenraum für Besucher zugänglich, eine greifbare Möglichkeit, die Industriegeschichte des großen Flusses zu erleben. In der Hauptsaison (Frühling und Herbst) empfiehlt sich eine Vorabreservierung.
Das Nationale Museum des Zweiten Weltkriegs
Vom US-Kongress als offizielles amerikanisches Museum zum Zweiten Weltkrieg benannt, ist das National WWII Museum die meistbesuchte Sehenswürdigkeit von New Orleans. Sein sechs Hektar großes Gelände umfasst fünf Pavillons: interaktive Ausstellungen, restaurierte Flugzeuge und Panzer, audiovisuelle Archive und ein immersives Theater.
Die Sammlungen decken beide Kriegsschauplätze ab, Europa und den Pazifik, und stellen dabei menschliche Schicksale in den Vordergrund: Briefe, Soldatentagebücher, Filmzeugnisse. Plane zwei bis drei Stunden ein. Eine Vorabreservierung ist empfehlenswert, besonders im Frühling und Herbst.
Das Gedenken an Katrina: ein Besuch, der bewegt
Im Jahr 2005 überschwemmte Hurrikan Katrina weite Teile der Stadt und hinterließ tiefe Spuren in mehreren Stadtvierteln. Im Lower Ninth Ward, einem der am schwersten betroffenen Viertel, gibt es heute Gedenkrundgänge, die die Auswirkungen der Katastrophe und den anschließenden Wiederaufbau nachzeichnen. Lokale Organisationen wie Lowernine.org bieten geführte Touren an, deren Einnahmen direkt in den Wiederaufbau von Häusern im Viertel fließen.
Das ist keine gewöhnliche Touristenattraktion: Es ist eine Möglichkeit zu verstehen, warum New Orleans gleichzeitig verletzlich und widerstandsfähig ist, und was die kollektive Identität dieser Stadt ausmacht.

Kreolische und cajunische Küche genießen
Die Gastronomie ist einer der Hauptgründe, New Orleans zu besuchen. Gerichte, die du unbedingt probieren solltest:
- Gumbo: kräftige Suppe auf Roux-Basis mit Meeresfrüchten oder Fleisch, auf Reis serviert.
- Jambalaya: gebratener Reis mit Garnelen, Hähnchen, Andouille-Wurst und Gewürzen.
- Gekochte Flusskrebse: in großen Mengen serviert, oft mit Mais und Wurst.
- Po’ boy: Baguette-Sandwich mit gebratenen Garnelen oder Austern.
Wer noch tiefer eintauchen möchte: Mehrere Restaurants bieten kreolische Kochkurse an, bei denen man unter Anleitung eines ortskundigen Kochs lernt, einen Roux oder ein Gumbo zuzubereiten.

Das Straßenleben: Märkte, Cafés und lokale Atmosphäre
In New Orleans ist die Straße ein eigenständiger Lebensraum. Der French Market, einer der ältesten überdachten Märkte der USA, erstreckt sich über mehrere Blocks entlang des Mississippi: louisianische Gewürze, handgemachte Produkte, authentische Souvenirs.
Die Magazine Street im Garden District bündelt auf mehreren Kilometern unabhängige Läden, Cafés und Restaurants. Der ideale Ort, um zwischen zwei Besichtigungen das Viertelsleben zu beobachten, ganz ohne Zeitdruck und feste Route.

Der Garden District: die Stadt unter den Eichen
Ein paar Straßenbahnstationen vom French Quarter entfernt liegt der Garden District, das historische Wohnviertel des amerikanischen Bürgertums aus dem 19. Jahrhundert. Seine Straßen sind gesäumt von jahrhundertealten Eichen, deren Äste ein natürliches Blätterdach über der Fahrbahn bilden.
Die Häuser im Antebellum-Stil, mit weißen Säulen, überdachten Veranden und weitläufigen Gärten, stehen heute unter Denkmalschutz. Die Besichtigung erfolgt zu Fuß oder per Straßenbahn auf der St. Charles Avenue. Der Lafayette-Friedhof mit seinen für Louisiana typischen oberirdischen Grabmälern ist frei und kostenlos zugänglich.

Die Bayous von Louisiana erkunden
Die Bayous rund um New Orleans bilden ein Netz aus Sümpfen, Kanälen und Zypressenwäldern, das vom Stadtzentrum aus leicht erreichbar ist. Täglich starten Boots- und Airboat-Ausflüge: Alligatoren in ihrer natürlichen Umgebung beobachten, Zypressenwälder im Abendlicht durchstreifen und in die cajunische Kultur eintauchen, mit Führern, die diese Sümpfe seit ihrer Kindheit kennen.

Der Barataria Park (Jean Lafitte National Historical Park), 27 Kilometer südlich der Stadt, bietet kostenfreie Wanderwege durch die Sümpfe, ideal für alle, die lieber auf eigene Faust als in einer geführten Gruppe unterwegs sind.

Die Festivals: von Mardi Gras bis zum Jazz Fest
New Orleans ist eine Festivalstadt. Zwei Ereignisse dominieren den Jahreskalender:
Mardi Gras markiert den Höhepunkt des Karnevals, der am 6. Januar (Dreikönigstag) beginnt. Im Jahr 2027 fällt Mardi Gras auf den 9. Februar. Prächtig geschmückte Festwagen, Maskenbälle und Brass-Band-Kapellen erfüllen die Stadt wochenlang mit einer Stimmung, die in den USA ihresgleichen sucht.
Das New Orleans Jazz & Heritage Festival (Jazz Fest) bringt Ende April und Anfang Mai die großen Namen der amerikanischen Musik und lokale Künstler zusammen. Im Jahr 2027 sind die Termine der 22.-25. April und 29. April bis 2. Mai.
Das French Quarter Festival, jedes Jahr im April (freier Eintritt), ist eine ausschließlich louisianischen Künstlern gewidmete Alternative in einem intimeren Rahmen als das Jazz Fest.
New Orleans gehört zu den amerikanischen Städten, in denen Kultur und Feiern am natürlichsten miteinander verschmelzen: Entdecke unsere Top 10 der US-Städte für weitere Reiseideen auf dem Kontinent.
FAQ
Wann ist die beste Reisezeit für New Orleans?
Von Februar bis Mai für Mardi Gras und Jazz Fest bei mildem Klima. Der Sommer (Juni bis August) ist heiß und feucht, mit dem Risiko tropischer Stürme. Der Herbst (Oktober/November) bietet eine gute Alternative mit weniger Trubel und angenehmeren Temperaturen.
Wie viele Tage sollte man für New Orleans einplanen?
Vier Tage reichen, um das French Quarter, die Frenchmen Street, den Garden District und einen Bayou-Ausflug zu erleben. Mit sieben Tagen bleibt Zeit für das National WWII Museum, den Lower Ninth Ward und mehrere Musikabende auf der Frenchmen Street.
Ist New Orleans für Familienreisen geeignet?
Ja, außerhalb der Mardi-Gras-Zeit (ausgelassen und alkohollastig). Das National WWII Museum, Mississippi-Kreuzfahrten, der City Park und Bayou-Ausflüge eignen sich für alle Altersgruppen. Die Bourbon Street sollte abends mit kleinen Kindern gemieden werden.
Wie kommt man in New Orleans am besten voran?
Die historische Innenstadt lässt sich gut zu Fuß erkunden. Die Straßenbahn (Streetcar) bedient die St. Charles Avenue (Garden District) und die Canal Street. Für die Bayous ist eine organisierte Exkursion praktischer als eine eigenständige Autofahrt.
Kann man New Orleans ohne Englischkenntnisse bereisen?
Louisiana hat tiefe französische Wurzeln, und einige Einwohner sprechen noch louisianisches Französisch oder Kreolisch. Englisch bleibt die gängige Umgangssprache, doch mit grundlegenden Kenntnissen lässt sich der Aufenthalt voll und ganz genießen.





