Wer auswandert, braucht vor allem eines: Weitblick. Visum, Behördengänge, Krankenversicherung, Unterkunft und Budget müssen weit im Voraus geregelt sein. Laut dem offiziellen Leitfaden des französischen Außenministeriums sollte man mindestens 6 Monate vor dem geplanten Abflug mit den Vorbereitungen beginnen.
Das Gastland gründlich kennenlernen
Informiere dich zunächst eingehend über dein Zielland:
- Lebenshaltungskosten: Miete, Lebensmittel, Verkehr, ggf. Schulgebühren. Je nach Land und Stadt können die Unterschiede erheblich sein.
- Visum und Aufenthaltstitel: Die Bearbeitungszeiten können mehrere Monate in Anspruch nehmen. Wende dich so früh wie möglich an die Botschaft oder das Konsulat des Ziellandes.
- Sprache und Kultur: Selbst Grundkenntnisse der Landessprache erleichtern die Alltagsintegration und das Berufsleben erheblich.
- Lokales Gesundheitssystem: Qualität der Einrichtungen, Wartezeiten, gängige Tarife. Diese Informationen bestimmen, wie viel Versicherungsschutz du benötigst.
Wo findest du verlässliche Informationen?
Der Auswanderungsratgeber von France Diplomatie (zuletzt aktualisiert am 31. März 2026) enthält länderspezifische Merkblätter mit Einreiseformalitäten und Konsulatkontakten. Online-Auswanderergemeinschaften (Foren, Gruppen) ergänzen diese offiziellen Informationen auf nützliche Weise.
Das Auswandererbudget planen
Eine gelungene Auswanderung setzt eine realistische Finanzplanung voraus, die du in zwei Phasen denkst.
Vor dem Abflug:
- Flugtickets und Transport der persönlichen Gegenstände
- Kaution und erste Monatsmiete
- Visum- und Beglaubigungsgebühren
Im laufenden Betrieb:
- Miete, Nebenkosten, Lebensmittel entsprechend den lokalen Lebenshaltungskosten
- Internationale Krankenversicherung (siehe eigener Abschnitt unten)
- Geldtransfers nach Frankreich falls nötig (Gebühren der Plattformen vergleichen)
Vergiss nicht, deine französische Bank über deinen Wegzug zu informieren und dich nach der Möglichkeit zu erkundigen, ein lokales Konto zu eröffnen.
Mein Auswanderer-Versicherungsangebot anfordernDie wichtigsten Behördengänge
Dieser Schritt ist oft der zeitaufwendigste. Folgende Punkte solltest du nicht vernachlässigen:
Ausweisdokumente
Prüfe die Gültigkeit deines Reisepasses (manche Länder verlangen 6 Monate Restgültigkeit über das Aufenthaltsende hinaus). Wenn du ihn zum ersten Mal oder nach langer Zeit erneuern musst, starte den Antrag 3 bis 4 Monate vor dem Abflug.
Konsularische Anmeldung
Die Eintragung ins Register der im Ausland lebenden Franzosen beim zuständigen Konsulat ist kostenlos. Sie erleichtert Behördengänge vor Ort (Vollmachten, Personenstandsurkunden, Wahlrecht) und ermöglicht es, dich im Krisenfall zu erreichen.
Steuerliche Situation
Ein Wechsel des steuerlichen Wohnsitzes bedeutet, das französische Finanzamt zu informieren. Je nach Land gelten bilaterale Doppelbesteuerungsabkommen. Wende dich vor deiner Abreise an einen Steuerberater oder spezialisierten Fachmann: Die Regeln variieren stark je nach Situation (entsandter Arbeitnehmer, Selbstständiger, Rentner …).
Führerschein
Manche Länder erkennen den französischen Führerschein an, andere verlangen eine Umschreibung. Informiere dich beim Konsulat des Ziellandes.
Unterkunft und Umzug organisieren
- Unterkunft: Sichere wenn möglich vor der Abreise eine Übergangslösung (Airbnb, Kurzzeitresidenz, Unterkunft bei Bekannten), bis du vor Ort eine dauerhafte Wohnung gefunden hast.
- Umzug: Hole mehrere Angebote von Unternehmen ein, die auf internationalen Transport spezialisiert sind. Prüfe die Zollbestimmungen des Ziellandes für persönliche Gegenstände.
- Einlagerung: Wenn du nicht alles mitnehmen möchtest, bietet ein Lagerraum in Frankreich die Möglichkeit, in Ruhe zu entscheiden, was mit deinen Sachen geschieht.
Gesundheitsschutz im Ausland: der entscheidende Punkt
Dieser Aspekt wird bei der Vorbereitung am häufigsten unterschätzt, kann aber erhebliche finanzielle Folgen haben.
Was endet, wenn du gehst
Sobald du deinen gewöhnlichen Aufenthalt ins Ausland verlegst, endet deine Mitgliedschaft in der französischen Krankenversicherung. Du bist nicht mehr für Behandlungen abgesichert, auch wenn du übergangsweise noch Beiträge zahlst.
Die CFE: eine Option, aber allein nicht ausreichend
Die Caisse des Français de l’Étranger (CFE) ermöglicht es, im Ausland einen Versicherungsschutz ähnlich der gesetzlichen Krankenversicherung aufrechtzuerhalten, mit Quartalsbeiträgen 2025 zwischen 196 € und 847 € je nach Alter. Sie übernimmt Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte, Medikamente und Mutterschaft, jeweils auf Basis der französischen Erstattungssätze.
Was sie nicht abdeckt: Zahnarztkosten, Sehhilfen und vor allem die medizinische Rückholung. Ein Krankenrücktransport kann je nach Reiseziel und Schwere des Gesundheitszustands mehrere zehntausend Euro kosten.
Was solltest du einplanen?
Eine passende internationale Krankenversicherung deckt die tatsächlichen Behandlungskosten im Gastland, die medizinische Rückholung und je nach Vertrag auch Zahnarzt- und Sehhilfekosten ab. Um die richtige Lösung für deine Situation zu finden, lies unseren Ratgeber Auslandskrankenversicherung und Rückholung wählen.
Mehr über die spezifischen Leistungen der Auswandererversicherung und den Unterschied zu einer einfachen Langzeitreiseversicherung erfährst du auf unserer Übersichtsseite.
Nach der Ankunft ankommen
Die Eingewöhnung endet nicht beim Auspacken der Kisten. Integration braucht Zeit und Energie:
- Netzwerken: Tritt Auswanderervereinen, Sportvereinen oder lokalen Berufsgruppen bei. Die ersten Wochen können ohne ein aktives Netzwerk schnell einsam werden.
- Landessprache lernen: Selbst in englischsprachigen Umgebungen erleichtern ein paar Worte der Landessprache den Kontakt zu Nachbarn, Behörden und Geschäften.
- Lokale Gepflogenheiten annehmen: Soziale Regeln, Lebensrhythmus, berufliche Usancen … Sich anzupassen bedeutet nicht, die eigene Kultur aufzugeben.
Den Kontakt zu Frankreich aufrechterhalten
- Bleib deinen französischen Steuerpflichten nach, soweit deine Situation es erfordert (Einkünfte aus Frankreich, Immobilienbesitz …).
- Sorge für Vollmachten bei Behördengängen, die du nicht aus der Ferne erledigen kannst.
- Behalte Zugang zu deinen französischen Bankkonten, damit sie nicht automatisch geschlossen werden.
Wenn dein Auslandsprojekt einem Working Holiday Visum (PVT) ähnelt, findest du in unseren 10 Tipps zur Vorbereitung deiner PVT-Reise ergänzende Ratschläge, die auf diesen besonderen Status zugeschnitten sind.
FAQ
Wann sollte man mit der Vorbereitung der Auswanderung beginnen?
Es wird empfohlen, mindestens 6 Monate vor der Abreise mit den Vorbereitungen zu beginnen. Bestimmte Formalitäten, insbesondere das Langzeitvisum, die Wohnungssuche oder die Eröffnung eines Bankkontos im Ausland, können mehrere Monate in Anspruch nehmen. Plane 3 bis 4 Monate zusätzlich ein, wenn du deinen Reisepass zum ersten Mal erneuern musst.
Muss ich meine französische Krankenversicherung vor der Abreise kündigen?
Nicht unbedingt auf eigene Initiative: Deine Mitgliedschaft in der französischen Krankenversicherung endet automatisch, sobald du keinen Wohnsitz mehr in Frankreich hast. Achte aber darauf, vor deiner Abreise eine internationale Krankenversicherung abzuschließen, um Versorgungslücken zu vermeiden.
Reicht die CFE für eine gute Absicherung im Ausland?
Die CFE bietet eine Erstattungsgrundlage nach französischen Tarifen, deckt aber weder die medizinische Rückholung noch Zahnarzt- oder Sehhilfekosten ab. In vielen Ländern übersteigen die lokalen Arztkosten die französischen Erstattungssätze deutlich, was zu erheblichen Eigenanteilen führt. Eine internationale Zusatzkrankenversicherung wird daher in der Regel empfohlen.
Muss ich das französische Finanzamt über meinen Wegzug informieren?
Ja. Du musst deinen Wohnsitzwechsel dem zuständigen Finanzamt mitteilen. Je nach Gastland kann ein Steuerabkommen gelten. Ohne ein solches Abkommen kannst du auf bestimmte Einkünfte auch aus dem Ausland heraus in Frankreich steuerpflichtig sein. Wende dich für deine spezifische Situation an einen Fachmann.
Ist die Anmeldung beim Konsulat Pflicht?
Die Eintragung im Konsularregister ist für Franzosen gesetzlich nicht verpflichtend, wird aber dringend empfohlen. Sie erleichtert den Zugang zu konsularischen Dienstleistungen (Reisepasserneuerung, Personenstandsurkunden, Wahlrecht) und ermöglicht es, dich im Krisenfall in deinem Gastland zu kontaktieren.
Was ist eine medizinische Rückholung und warum ist sie wichtig?
Eine medizinische Rückholung bedeutet, dich medizinisch von deinem Aufenthaltsort in eine geeignete Einrichtung in Frankreich oder anderswo zu transportieren. Je nach Reiseziel und Schwere des Gesundheitszustands kann dies mehrere zehntausend Euro kosten. Weder die CFE noch die meisten herkömmlichen französischen Zusatzversicherungen übernehmen diese Kosten: Nur eine internationale Krankenversicherung mit Rückholgarantie bietet diesen Schutz.





