Nachhaltig reisen bedeutet, so unterwegs zu sein, dass Umwelt- und Sozialauswirkungen auf ein Minimum reduziert werden und lokale Wirtschaftskreisläufe gestärkt werden. 2025 ist dieser Ansatz zur Mehrheitsmeinung geworden: Laut der jährlichen Studie von Booking.com machen 79 % der Reisenden nachhaltigen Tourismus zur Priorität, und 93 % geben an, nachhaltige Entscheidungen in ihre Reiseplanung einbeziehen zu wollen, mehr als doppelt so viele wie die 42 % aus dem Jahr 2016.
Ein Aufschwung, den Zahlen bestätigen
Die Einstellungen wandeln sich rasant. Doch die Praxis relativiert diesen Enthusiasmus: Laut dem Baromètre Tourisme Durable 2024 haben 71 % der Befragten nach wie vor ein vages oder kaum vorhandenes Verständnis von nachhaltigem Tourismus, und nur 16 % setzen im Urlaub tatsächlich nachhaltige Verhaltensweisen um.

Bildnachweis: Our treehut in the jungle von Christian Haugen, CC BY 2.0, via Openverse.
Die Kluft zwischen Absicht und Praxis bleibt die größte Herausforderung der Branche. Unter den genannten Hürden glauben 89 % der Befragten, dass nachhaltig reisen genauso viel oder sogar mehr kostet als herkömmliches Reisen. Dabei gibt es durchaus zugängliche Alternativen, angefangen beim Verkehrsmittel.
Wie diese neuen Erwartungen den Reisemarkt verändern, erfährst du in unserer Analyse der Reisetrends für 2025.
Transport: der größte Hebel
Der Transport ist die Hauptquelle für Emissionen auf Reisen. Angesichts dieser Realität gewinnen Alternativen zum Flugzeug an Bedeutung: Fernzüge, Mitfahrgelegenheiten und Radreisen begeistern immer mehr Reisende, denen ihr ökologischer Fußabdruck am Herzen liegt.
Für Strecken, bei denen das Flugzeug unvermeidlich ist, bieten viele Airlines CO2-Kompensationsprogramme an. Branchenexperten empfehlen jedoch, zuerst zu reduzieren, bevor man kompensiert: Ein Reiseziel zu wählen, das per Bahn erreichbar ist, statt einen Billigflug zu buchen, ist die wirkungsvollste Maßnahme.
Slow Travel (weniger, dafür länger reisen) etabliert sich als konkrete Antwort darauf: Es verringert die Zahl der Reisen und vertieft gleichzeitig das Erlebnis vor Ort.
Immer mehr engagierte Unterkünfte
Eco-Lodges, zertifizierte Hotels, ausgezeichnete Gästehäuser: Das Angebot an nachhaltigen Unterkünften hat sich erheblich erweitert. 2024 finden 55 % der Befragten, dass Hotels ihre Umweltmaßnahmen besser kommunizieren als zuvor, verglichen mit 36 % im Vorjahr.
Um eine wirklich engagierte Unterkunft zu erkennen, helfen diese Orientierungspunkte:
- Anerkannte Zertifizierungen: nationale Labels (Clef Verte, EU-Ecolabel) oder internationale Zertifizierungen (Green Globe, Rainforest Alliance).
- Lokale Verankerung: Versorgung aus regionalen Kreisläufen, Beschäftigung von Einheimischen.
- Ressourcenmanagement: transparente Wasser- und Energiesparpolitik.
Die Verhaltensweisen, die wirklich etwas bewirken
Über Transport und Unterkunft hinaus zeigt sich verantwortungsvolles Reisen im Alltag. Laut Booking.com respektieren 46 % der Reisenden aktiv lokale Bräuche und Traditionen, 39 % unterstützen einheimische Händler und Kunsthandwerker durch ihre Ausgaben, und 34 % wählen Alternativziele, um Overtourism zu vermeiden.
Diese konkreten Gesten helfen dabei, die natürlichen und kulturellen Schätze einer Destination zu bewahren. 52 % der Befragten geben an, sich mittlerweile der Auswirkungen des Tourismus auf lokale Gemeinschaften bewusst zu sein, nicht nur auf die Umwelt.
Kulturveranstaltungen bieten ebenfalls ein konkretes Ausdrucksfeld für nachhaltigen Tourismus: Öko-Festivals zeigen, wie sich Kultur, Feiern und Nachhaltigkeit miteinander verbinden lassen.
Verantwortungsvoll und geschützt reisen
Die Erde und die Menschen vor Ort zu schonen bedeutet auch, die Gesundheitsinfrastruktur deines Reiseziels nicht unnötig zu belasten. Eine Verletzung, eine Tropenkrankheit oder ein Unfall im Ausland kann begrenzte lokale Ressourcen beanspruchen und unvorhergesehene Kosten verursachen.
Vor der Abreise eine passende Reiseversicherung abzuschließen ist deshalb ein vollständig verantwortungsvoller Schritt: Du wirst schnell versorgt, die medizinischen Kosten sind entsprechend deines Vertragsumfangs gedeckt, und du belastest das lokale Gesundheitssystem nicht zusätzlich.
Meine Reise absichernFAQ
Was bedeutet verantwortungsvolles Reisen konkret?
Verantwortungsvolles Reisen umfasst alle Praktiken, die darauf abzielen, die Umwelt- und Sozialauswirkungen des Tourismus zu reduzieren: umweltfreundlichere Verkehrsmittel wählen, in nachhaltigen Unterkünften übernachten, lokal einkaufen, Kulturen respektieren und überlaufene Orte meiden. Es ist kein einzelnes Label, sondern ein Bündel an Verhaltensweisen, das du je nach Reiseziel und eigenen Möglichkeiten anpassen kannst.
Kostet nachhaltiges Reisen mehr?
Nicht zwangsläufig. Einige Optionen (Premium-Eco-Lodges, Solidartourismus) haben zwar einen Aufpreis, doch andere nachhaltige Praktiken können sogar die Reisekosten senken: außerhalb der Hauptsaison reisen, den Zug statt das Flugzeug nehmen, lokale Märkte statt touristischer Restaurants wählen. Laut dem Baromètre Tourisme Durable 2024 glauben 89 % der Befragten, dass es teurer ist, eine Wahrnehmung, die nicht immer der Realität entspricht.
Wie wähle ich eine nachhaltige Unterkunft?
Achte auf Unterkünfte mit anerkannten Zertifizierungen (Clef Verte, EU-Ecolabel, Green Globe). Prüfe außerdem die lokale Ausrichtung des Betriebs: Beschäftigung von Einheimischen, Versorgung aus regionalen Kreisläufen, transparentes Wasser- und Energiemanagement.
Wie reduziere ich meinen CO2-Fußabdruck auf Reisen?
Die wirkungsvollste Maßnahme ist es, Flüge zu vermeiden, vor allem Kurzstrecken, die durch den Zug ersetzbar sind. Für Reisen, bei denen das Flugzeug unvermeidlich ist, wähle die Economy-Class (sie verteilt den Fußabdruck auf mehr Passagiere) und zertifizierte Kompensationsprogramme. Vor Ort greifst du am besten auf öffentliche Verkehrsmittel, das Fahrrad und deine eigenen Beine zurück.
Kann man auch international nachhaltig reisen?
Ja. Nachhaltig international zu reisen bedeutet, lokale Guides und Reiseveranstalter zu unterstützen, Umweltvorschriften zu respektieren (Naturschutzgebiete, Schutzzonen) und Einwegplastik zu vermeiden. Manche Reiseziele setzen aktiv auf Ökotourismus, wie Costa Rica, Ruanda oder Bhutan.





