Erasmus+, WHV, VIE, Fulbright: Die wichtigsten internationalen Mobilitätsprogramme ermöglichen es jedes Jahr zigtausenden Franzosen, im Ausland zu studieren, zu arbeiten oder auf Reisen zu gehen. Jedes Programm passt zu einem anderen Profil und Vorhaben. Hier erfährst du, welches Angebot zu deiner Situation passt, mit den aktuell geltenden Bedingungen.
Erasmus+: Studieren oder Praktikum machen in Europa
Seit 1987 ist Erasmus+ das Vorzeigeprogramm der Europäischen Union für Bildungsmobilität. Es richtet sich an Studierende (ab dem zweiten Bachelorstudienjahr), Praktikanten in Unternehmen, Auszubildende, Lehrkräfte und Ausbilder, die an einer akkreditierten Einrichtung eingeschrieben sind.
Dauer, Stipendium und Zugangsvoraussetzungen
- Dauer: 2 bis 12 Monate pro Studienzyklus (Bachelor, Master, Promotion); eine Teilnahme pro Zyklus.
- Monatliches Stipendium: zwischen 300 € und ca. 700 € je nach Zielland und Mobilitätsart (Studium oder Unternehmenspraktikum).
- Voraussetzungen: Einschreibung an einer Erasmus+-akkreditierten Hochschule, erfolgreich abgeschlossenes erstes Studienjahr sowie die Auswahl durch das Internationale Büro deiner Einrichtung.
Die Bewerbungsunterlagen werden an deiner Universität eingereicht, idealerweise 6 bis 12 Monate vor der Abreise. Das Erasmus+-Stipendium lässt sich mit anderen Förderungen kombinieren, darunter die Aide à la Mobilité Internationale (AMI) von 400 €/Monat, die ausschließlich für sozial bedürftige Stipendiaten vorgesehen ist.
Fulbright: Der transatlantische Wissenschaftsaustausch
Die 1948 in Frankreich gegründete Franco-Amerikanische Kommission für universitäre und kulturelle Austausche verwaltet das Fulbright-Programm, das Studien-, Forschungs- und Lehraufenthalte zwischen den USA und mehr als 140 Ländern fördert.
Im Mittelpunkt stehen Master- und Promotionsstudierende sowie Forscher, die ein Projekt in den USA verwirklichen möchten (oder amerikanische Wissenschaftler in Frankreich empfangen wollen). Die Stipendien decken alle oder einen Teil der Studien- und Lebenshaltungskosten. Die Auswahl ist kompetitiv: Bewerbungen für ein Universitätsjahr öffnen in der Regel 12 bis 18 Monate im Voraus. Die aktuellen Kategorien und Bewerbungsfristen findest du direkt bei der Franco-Amerikanischen Kommission.
VIE: Im Ausland für ein französisches Unternehmen arbeiten
Das Volontariat International en Entreprise (VIE) ist ein von Business France verwaltetes Programm. Es ermöglicht Staatsangehörigen der EU und des EWR im Alter von 18 bis 28 Jahren (Abreise muss vor dem 29. Geburtstag erfolgen), eine berufliche Mission im Ausland bei einem französischen Unternehmen zu absolvieren.
Bedingungen und Vergütung
- Dauer: 6 bis 24 Monate, einmalig verlängerbar innerhalb dieser Grenze.
- Vergütung: eine Grundvergütung von 772,87 €/Monat, ergänzt durch eine variable Länderzulage je nach Einsatzland.
- Status: kein reguläres Arbeitsverhältnis; das VIE basiert auf einem eigenen Status, der Sozialversicherungsschutz gewährt.
- Weitere Voraussetzungen: einwandfreies Führungszeugnis und Erfüllung der wehrdienstlichen Anforderungen.
Das VIE gilt als anerkannter Karriereturbo: Viele Volontäre erhalten im Anschluss ein Stellenangebot. Aktuelle Angebote findest du auf der offiziellen Plattform Mon-VIE-VIA von Business France.
Meinen Auslandsaufenthalt versichernWorking Holiday Visa: Arbeiten und Reisen außerhalb Europas
Das Working Holiday Visa (WHV), auf Französisch Programme Vacances-Travail (PVT), ist ein bilaterales Abkommen, das einen freien Arbeitsaufenthalt von bis zu 12 Monaten im Partnerland erlaubt. Es ist eine der beliebtesten Optionen, um eine längere Reise zu finanzieren und gleichzeitig internationale Berufserfahrung zu sammeln.
15 Ziele für Franzosen
Frankreich hat WHV-Abkommen mit 15 Ländern und Territorien abgeschlossen: Argentinien, Australien, Brasilien, Chile, Ecuador, Hongkong, Japan, Kanada, Kolumbien, Mexiko, Neuseeland, Peru, Südkorea, Taiwan und Uruguay.
Für asiatische Ziele ohne WHV-Abkommen mit Frankreich wie Thailand gibt es andere Visaoptionen: Das Destination Visa Thailand (DTV) ist speziell für längere Aufenthalte konzipiert.
Zugangsvoraussetzungen und Kontingente
- Alter: 18 bis 30 Jahre zum Zeitpunkt des Antrags; bis 35 Jahre für Argentinien, Australien und Kanada.
- Finanzielle Mittel: mindestens ca. 2.500 € (der genaue Betrag ist in jedem bilateralen Abkommen festgelegt).
- Jahreskontingente: Die Plätze sind in den meisten Ländern begrenzt. Kanada bietet 7.000 Plätze pro Jahr; Ecuador, Mexiko, Peru und Uruguay je nur 300.
- Dauer und Verlängerung: Das Visum gilt maximal 12 Monate und ist nicht verlängerbar. Jedes Abkommen kann pro Land nur einmal genutzt werden.
- Krankenversicherung Pflicht: Alle WHV-Abkommen verlangen eine vollständige Kranken-, Krankenhaus- und Rücktransportversicherung für den gesamten Aufenthalt.
Die Formalitäten werden bei der Botschaft oder dem Konsulat des Ziellandes in Frankreich erledigt, außer für Australien und Chile, deren Verfahren vollständig digitalisiert sind.
Reiseversicherung: Oft eine Pflichtbedingung
Beim WHV ist die Krankenversicherung eine formale Pflicht, die in den bilateralen Abkommen verankert ist: Ohne Versicherungsnachweis kann das Visum verweigert oder der Aufenthalt unterbrochen werden. Beim VIE bietet Business France einen Basisschutz, der je nach Land und Missionsdauer jedoch unzureichend sein kann. Bei Erasmus+ variieren die Anforderungen je nach Ziel stark: In ein EU-Land mit europäischer Krankenversicherungskarte zu reisen ist eine ganz andere Situation als ein Aufenthalt in einem Drittland ohne automatische Absicherung.
Achte in jedem Fall darauf, dass dein Vertrag ausdrücklich die tatsächlichen Arztkosten im Gastland, Krankenhausaufenthalte, den medizinischen Rücktransport und eine vorzeitige Heimreise im Familiennotfall abdeckt.
Häufig gestellte Fragen
Kann man das Erasmus+-Stipendium mit anderen Förderungen kombinieren?
Ja. Das Erasmus+-Stipendium lässt sich mit der Aide à la Mobilité Internationale (AMI, 400 €/Monat für sozial bedürftige Stipendiaten) sowie mit regionalen Förderungen kombinieren. Die Kumulierungsbedingungen variieren je nach Programm: Erkundige dich beim Internationalen Büro deiner Hochschule nach den genauen Regelungen.
Was ist der Unterschied zwischen dem WHV und einem Studentenvisum?
Das WHV ist kein Studienvisum. Es erlaubt freies Arbeiten im Zielland ohne Branchenbeschränkung oder wöchentliche Stundenbegrenzung, kombiniert mit unbeschränktem Reisen. Ein Studentenvisum setzt die Einschreibung an einer Bildungseinrichtung voraus und schränkt das Recht zu arbeiten in der Regel deutlich ein.
Ist das VIE nur für Franzosen?
Nein. Das VIE steht allen Staatsangehörigen der Europäischen Union und des Europäischen Wirtschaftsraums offen, sofern sie zwischen 18 und 28 Jahre alt sind und die sonstigen gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen.
Muss man die Landessprache sprechen, um mit dem WHV zu reisen?
Für den WHV-Antrag sind keine Sprachkenntnisse formal vorgeschrieben. In der Praxis erleichtern solide Kenntnisse der Arbeitssprache des Ziellandes die berufliche Integration erheblich und vereinfachen Behördengänge vor Ort.
Finanziert Fulbright nur Studium?
Nein. Das Fulbright-Programm umfasst auch Stipendien für Forschungsprojekte und Lehreraustausche. Je nach Profil, ob Studierende, Forscher oder Lehrkraft, gibt es unterschiedliche Stipendienkategorien. Die Bewerbungsfristen variieren je nach Kategorie; die aktuellen Daten findest du direkt bei der Franco-Amerikanischen Kommission.
Ist eine Versicherung für alle Programme Pflicht?
Sie ist formell vorgeschrieben beim WHV, verankert in den bilateralen Abkommen. Für die anderen Programme wird sie dringend empfohlen und kann bei der Bewerbung verlangt werden. Prüfe stets die spezifischen Bedingungen deines Programms und deines Ziellandes.





